Drei Generationen - ein Betrieb

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Anton Strüder wurde am 19. September 1883 in Hartenfels in eine alte Bäckerfamilie hineingeboren. Da es wohl in dem kleinen Westerwalddorf nicht genügend Arbeit für so viele am Bäckerhandwerk interessierte Strüderbuben gab, zog es Anton nach Köln, wo er bei seinem Onkel Peter Strüder unterkam, der dort, wie kann es anders sein, eine Bäckerei betrieb. Nach Lehrjahren im Rheinischen ging er nach dem Ersten Weltkrieg in den Jahren der Rezession wieder in den Westerwald zurück. In Langenhahn lernte er die Kriegerwitwe Elisabeth Schuth kennen und lieben. Die beiden gründeten in Langenhahn die Bäckerei Strüder und betrieben das Geschäft in der Brunnenstraße.

Willi Strüder wurde am 2. März 1923 geboren. Schon als Kind musste er, wie damals üblich, in der Landwirtschaft und in der Bäckerei mithelfen. Was lag ihm näher, als den Beruf des Vaters zu ergreifen. Seine Lehrjahre verbrachte er in Wetzlar, bei Bäckermeister Redhardt. Am 12. März 1937 rückte er als 14jähriger im fernen Wetzlar ein.
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Eine harte aber effektive Lehrzeit, wie er heute bekennt, endete 1940. Er kehrte heim in den elterlichen Betrieb. Doch bereits ein Jahr später starb der Vater Anton und der junge Geselle Willi war auf sich allein gestellt. 1942 kam dann das vorläufige Aus für den Betrieb. Willi musste wieder in die Ferne ziehen, diesmal sogar auf den tropischen Kontinent. Als Teilnehmer des Afrika Feldzuges geriet er am 11. Mai 1942 in französische Gefangenschaft. Seine Tätigkeit war nun eine ganz andere. In Nordafrika musste er in Bergwerken sein täglich Brot verdienen, anstatt es zu backen. Später wurde er dann nach Frankreich gebracht und musste auch dort Bergwerksarbeiten verrichten.

Endlich, 1948, kam dann die Entlassung und die Rückkehr nach Langenhahn. Natürlich nahm Willi den Betrieb der Bäckerei wieder auf. Vorher musste er jedoch im heimischen Steinbruch arbeiten, um die notwendigen finanziellen Mittel für den erneuten Betriebsstart zu verdienen. Mit Elan machte er sich daran und hatte bereits 1950 seinen Meisterbrief in der Tasche. Nun konnte er daran denken, eine Familie zu gründen.
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llse Abresch war seine Auserwählte, die Hochzeit fand 1954 statt. Ein Jahr später erblicke Sohn Ottmar das Licht der Welt.  Drei Töchter folgten: Bettina 1959, Christiane 1965, Anne 1968.

1955 bauten Willi und  llse Strüder am Sportplatz 1, dem Elternhaus von llse, eine neue Bäckerei auf. Sie alle machten der Bezeichnung „Familienbetrieb" alle Ehre. Denn von klein auf trug jeder, so wie er konnte, zum reibungslosen Ablauf der Bäckerei bei. Besonders Ehefrau llse, die neben der Versorgung von Kinder und später auch den alten Eltern den gesamten Verkauf organisierte, nach dem sie des Nachts Ehemann Willi in der Backstube unterstützt hatte.
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Am 1. August 1970 begann Sohn Ottmar seine Bäckerlehre im elterlichen Betrieb, die er 1973 abschloss. Tochter Bettina erlernte den Beruf Bäckereifachverkäuferin ebenfalls im eigenen Betrieb. Bereits mit 20 Jahren erwarb sich Ottmar Strüder den Meistertitel, damals noch mit Hilfe einer Sondergenehmigung, weil er ja noch nicht die erforderlichen drei Gesellenjahre nachweisen konnte. Damals einer der jüngsten Bäckermeister Deutschlands.

1988 übernahmen Sohn Ottmar und Ehefrau Karola,  geborene Steinebach, den Betrieb und Willi sowie llse gingen in den wohlverdienten Ruhestand, ohne natürlich immer wieder mitzuhelfen, wenn sie gebraucht wurden. Das hat sich bis heute nicht geändert.
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Die Hauptlast der Arbeit tragen seit dem aber Ottmar und Karola Strüder, die ihrer Schwiegermutter folgend, ebenfalls in Backstube und Verkaufsraum tätig ist. Die berufliche Tätigkeit ist nur eine Seite im Leben der Familie. Denn aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, deren Betreuung ebenfalls einen großen Teil der täglichen Aufmerksamkeit erfordert. Sohn Christian, der Erstgeborene, kam 1981 zur Welt. Ihm folgte 1988 Tochter Anna und das Nesthäkchen ist Franziska, die 1992 geboren wurde.

Der Ausbau des Betriebes ging kontinuierlich voran. Nach verschiedenen räumlichen Erweiterungen produziert das Familienunternehmen heute Handwerksqualität in computergesteuerten Anlagen. Der Verkaufsraum wurde 1995 und 2002 nach modernen Gesichtspunkten ausgebaut.
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Im Jubiläumsjahr werden neben dem Hauptgeschäft acht Verkaufsstellen in den Orten der Region beliefert. Seit 1988 arbeitet der Bäcker Markus Kaiser aus Langenhahn im Betrieb. Zum Verkaufspersonal gehören die Ehefrau von Ottmar, Karola, Angelika Erbach und als Aushilfskraft immer noch Bettina, die in Gershasen lebt und einen Hahn geheiratet hat.

Als Ausfahrerin ist Martina Bleser beschäftigt. Als Aushilfsfahrer sind die Familienmitglieder Anne und Thomas Fröhlich zu nennen. Nicht vergessen werden darf der Sohn vom Chef, Christian, der sich in der Backstube ebenso nützlich macht wie im Büro und Lieferungen mit dem Verkaufsfahrzeug
erledigt.

Wandel im Arbeitsleben der Bäckerei

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Anno 1927 bestand das Verkaufsfahrzeug nicht aus einem PS-starken Kombi. Ein einziges PS war angesagt: Im Sommer zog das Pferd einen einachsigen Karren, im Winter war ein Schlitten angehängt, um die Orte und Bauernsiedlungen zu erreichen. Dann geschah es auch schon einmal, wie der Seniorchef heute zum Besten gibt, dass das Pferd scheute, den Schlitten umwarf und das Brot munter durch die weiße Pracht kullerte. Bäcker Anton nahms gelassen. Fuhr mit dem feuchten Brot zurück zur Backstube und gönnte den Laiben ein kräftiges Aufwärmen im Backofen. Dann startete er den zweiten Versuch, um das Brot an die Kundschaft auszuliefern.

Einmal hatte der Bäckermeister verschlafen und da es allerhöchste Zeit war, den Beerdigungskuchen ins Gasthaus zu bringen, mussten die Bleche erst einmal im Schnee abgekühlt werden, damit sich die trauernde Gemeinde nicht die Finger an dem noch heißen Kuchen verbrennen würde.

Ganz ungeduldige Kunden, die schon mal die Backstube stürmten, um nicht im Laden warten zu müssen, sollen mit ihren Gummistiefeln im Westerwälder Streuselkuchen gestanden haben - ohne es zu merken, fügt Willi hinzu.
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Sein erster Verkaufswagen war übrigens, wie könnte es anders sein, der damals allseits beliebte Käfer. Der lief und lief, auch wenn er bis unters Dach mit Brot und Backwaren beladen war. Während Anton Strüder 1927 lediglich eine Brotsorte im Angebot hatte und täglich rund 60 Brötchen an den Mann oder die Frau brachte, versorgt die Bäckerei Strüder heute Langenhahn und die umliegenden Orte mit täglich annährend 20 Sorten leckeren Brotes und ebenso vielen Brötchensorten. Hinzu kommen Torten und Feinbackwaren, die in reicher Auswahl täglich frisch vorhanden sind. Schmackhafte Snacks, belegte Brötchen und vieles mehr bietet der neu gestaltete Thekenbereich sowie heiße und kühle Getränke werden ebenfalls in reicher Auswahl angeboten.

Für Sonderwünsche hat der Bäckermeister stets ein offenes Ohr. Ob Partygebäck, Hochzeits- oder Geburtstagstorten - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.